September 08: Vordreh in Kairo und Suez
Mai / Juni 09: Dreh in Qus, Esna und Kairo
2010: Fertigstellung
Kamera: Peter Liechti
2. Kamera: Regie
Ton: Ramon Orza
Schnitt: Marcel Derek Ramsay
Produktion: Reck Filmproduktion Franziska Reck
Produktion Ägypten: FEKRA-Filmproductions
Protagonisten:
Sayyed el-Dawwy, Ramadan el-Dawwy
Abdel Rahman el-Abnoudy, Yousry el-Guindy, Mohammed Hozayen ...
Artikel über die Dreharbeiten von Susanne Schanda in Deutsch.
Der Dokumentarfilm, der die Welt des grössten, oral überlieferten Epos im arabischen Raum, der Sira el-Hilaliyya, reflektiert, wird von Reck Filmproduktion in Zürich (www.reckfilm.ch) produziert, in Ägypten in Zusammenarbeit mit den FEKRA-Filmproductions. Im September 07 konnten erste Aufnahmen mit Musik der Sira el-Hilaliyya auf der Bühne des «FEKRA cultural centers» durchgeführt werden. Nach einem Vordreh im September 08 in Kairo und wurde der Film im Mai/Juni 09 in Qus und Esna erfolgreich abgedreht.
Die UNESCO hat ihr Patronat für diesen Film gegeben mit der Begründung, dass der Film eine bedeutende Tradition der arabischen Kulturgeschichte vorstellt und damit zum interkulturellen Verständnis und der internationalen Kulturzusammenarbeit beiträgt. Dadurch wird nicht nur seine kulturelle Bedeutung wertgeschätzt, sondern auch zementiert, dass das Epos und seine Tradition weit über Ägypten und den arabischen Raum von grosser Bedeutung sind. Der Film wird unter anderem von der Filmstiftung Zürich unterstützt.
Die beiden Autoren des Films die Filmemacherin Sandra Gysi aus Zürich (Schweiz) und der Regisseur Ahmed Abdel Mohsen aus Assuan (Ägypten) recherchierten während Jahren über das Epos und seine Welt, das als einziges noch in seiner integralen musikalischen Form vorgetragen wird, und übertrugen die wenigen, in arabischer Sprache exisitierenden Texte ins Deutsche. Durch die Innen- und Aussensicht auf das Epos, die die Zusammenarbeit der beiden Regisseure ermöglicht, entstand ein umfassendes Bild der Sira el-Hilaliyya und ihrer Welt, das in den Film einfliesst.
«Wenn der Halbmond spricht...» werden nur Ausschnitte aus Sayyed el-Dawwis Vortrag dem letzten grossen Interpret des Epos integriert werden können. Ein weiteres Projekt ist deshalb iniziiert, dessen Ziel es ist, das gesamte orale Epos aufzuzeichnen: Sayyed el-Dawwi wird für einige Wochen ins «FEKRA cultural center» eingeladen, um alle Geschichten des Epos vorzutragen. Mit diesen Aufnahmen wird seine Kunst und sein grosses Wissen festgehalten und später auch auf Tonträgern veröffentlicht. Die Projekte rund um die Sira el-Hilaliyya sind das erste grosse Engagement von FEKRA, lokale Traditionen zu fördern und festzuhalten. Weitere Projekte sind in «el-mustaqbal delwaqti Die Zukunft heute» geplant.
«Wenn der Halbmond spricht...» ist ein Film über ein altes arabisches Epos, das die Gemüter auch heute noch bewegt, über eine mündliche Tradition, die fortbesteht, und über einen Helden, der hinterfragt wird.
Die Sira ist das monumentalste und wichtigste Epos in der arabischen Welt und für den Orient so wichtig wie Homers Odyssee für den Westen. Ihre mündlich überlieferten Geschichten beschreiben die Abenteuer des Wüstenvolks Bani Hilal und seines dunkelhäutigen Helden Abu Zaid, die im elften Jahrhundert von der arabischen Halbinsel nach Nordafrika zogen. Das populäre Epos findet seinen Widerhall in vielen Kunstformen. Doch immer seltener werden die unzählbaren Verse in traditionellen Aufführungen öffentlich vorgetragen.
El-Dawwy ist der letzte grosse Sira-Interpret nicht nur Ägyptens, sondern der gesamten arabischen Welt. Er fühlt sich verpflichtet, sein ganzes Wissen an seinen Enkel Ramadan weiterzugeben. Gemeinsam leben sie in seinem einfachen Haus in einem Dorf in Südägypten, wo sie sich fast ausschliesslich der Sira widmen. Täglich lehren und lernen sie die Sira, proben und musizieren. Ramadan begegnet seinem Grossvater mit grossem Respekt und warmherziger Fürsorge. Doch die Familientradition, die er weiterführen soll, droht ihn zuweilen zu erdrücken und er hadert mit seinem Schicksal.
Für einen Auftritt auf einem öffentlichen Platz lädt der aristokratische Parlamentarier den alten Sira-Interpreten el-Dawwy und Ramadan in die nahe Kleinstadt Esna ein. El-Dawwy singt mit seiner markanten Stimme, während ihn sein Enkel Ramadan und weitere Musiker auf ihren Instrumenten begleiten. Das Publikum mischt sich begeistert ein. Das Konzert endet in Tumult: Die Tradition des Sira-Vortragens lebt!
El-Dawwy und Ramadan reisen mit dem Zug dem Nil entlang in die Grossstadt Kairo und mit ihnen die Sira und ihre traditionellen Werte. Es ist die Zeit des Fastenmonats Ramadan. Während der Tage, in denen sie auf Einladung des berühmten Sira-Historikers in einem Kulturzentrum Konzerte geben, lassen sich die beiden durch Kairo treiben. Die Stadt ist während des Tages von Hektik erfüllt, bei Eintritt der Dämmerung, der Zeit des Fastenbrechens, in unheimliche Ruhe getaucht und in der Nacht von ausgelassenen Feiern belebt.
In Kairo sind die traditionellen Aufführungen längst abgelöst durch Interpretationen der Sira in der Populärkultur. Ramadan begegnet hier einer anderen Sira-Welt und sieht sich mit moderner Musik und der Frage nach den Helden von heute konfrontiert.
Die Kairo-Zeit geht zu Ende, el-Dawwy und Ramadan reisen zurück ins Dorf. Hat sich die Sicht des jungen Sira-Interpreten auf die Sira verändert? Wird er die Tradition weiter führen?